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Spermiendiagnostik

Allgemeines zur Spermiendiagnostik

Schon die einfache körperliche Untersuchung, bestehend aus Betrachtung der sekundären Geschlechtsmerkmale (z. B. Körperbau, Haarwuchs) und das Abtasten des Hodens kann dem Untersucher erste Vermutungen bezüglich der Sterilitätsursache geben. Die wichtigste Untersuchung ist jedoch sicher die Spermienuntersuchung (Spermiogramm)  und ggf. die Untersuchung des SFI (Spermafragmentationsindexes).

Spermiogramm

Die Untersuchung der Samenqualität umfaßt u.a. die Bestimmung von Spermienkonzentration, Spermienbeweglichkeit und Spermienmorphologie (% normale Spermienform).

HALO Test, SCSA Test

Weitergehende Untersuchungen, bei denen das Vorhandensein von Molekülbrüchen im Erbmaterial in den Spermienköpfen bestimmt werden, geben Zusatzinformationen.

Das Spermiogramm

Grundlage der Diagnostik möglicher männlicher Fruchtbarkeiseinschränkungen ist das Spermiogramm.
Hierbei werden verschiedene Parameter des Ejakulates (Samenflüssigkeit) untersucht. Die wichtigsten sind jedoch:

  • Menge,
  • pH Wert,
  • Spermienkonzentration (in Millionen Spermien/ml),
  • Morphologie (Anteil normal geformter Samenzellen in %)
  • und die Motilität (Beweglichkeit- in %).

Normwerte gemäß Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2010              (alte Werte in Klammern):

Volumen 1,5ml (2,0 ml) oder mehr

ph 7,2-8,0

Spermien-Konzentration >=15 (20) Mio/ml

Gesamt-Spermien-Zahl >=39 (40) Mio pro Ejakulat

Anteil beweglicher Spermien es wird nicht mehr zwischen schnell und langsam vorwärtsbeweglichen Spermien unterschieden (sog. WHO a und WHO b). Es sollen mindestens 32% der Spermien vorwärtsbeweglich sein (50%)

Anteil lebender (vitaler) Spermien >=59% (75%)

Anteil normalgeformter Spermien (Morphologie) >=4% (30%)

Zusätzlich wird beurteilt:

Leukozyten < 1 Mio/ml

MAR-Test < 10 % Spermien mit adhärenten Partikeln

Verflüssigungszeit 30 Minuten, max. 1 Stunde

Geruch kastanienblütenartig

Gegebenenfalls weitere Untersuchungen:

Anteil der lebenden Spermien 75 % oder mehr vitaler Zellen, die keinen Farbstoff im Eosin-Test aufnehmen

Anmerkung:

Die Morphologie wird häufig nach den sogenannten ” Krueger-strict criteria” oder  “strict criteria” beurteilt. Hiernach kann der Anteil fehlgeformter Spermien bis 85% betragen, um das Spermiogramm noch als normal beurteilen zu können.

Spermiogrammbefunde unterliegen unter Umständen starken Schwankungen, daher sollten zwischen den Untersuchungen mindestens 2 (besser 3) Monate vergehen. Die Hoden benötigen etwa diese Zeit zur Bildung neuer Spermien. Vor der Untersuchung sollten nicht weniger als 3 und nicht mehr als 5 Tage sexuelle Abstinenz eingehalten werden.

Aus der differenzierten mikroskopischen Analyse der Spermienqualität ist es leider nicht immer möglich, eine exakte Bewertung der Fruchtbarkeit (Fertilitätsprognose) für den Mann zu erhalten.

Sperma

Sperma vor der Beurteilung

Sperma-Prüfung

Sperma wird in die Makler-Zählkammer gegeben

Sperma-Zählung

Sperma in der “Makler”- Zählkammer

SCSA Test, HALO Test

Das Spermiogramm ist zwar die einfachste Untersuchung, gibt einem jedoch nur eine Teilinformation.

Immer mehr Untersuchungen im internationalen Schrifttum weisen darauf hin, dass der Anteil von Spermien mit Chromosomenbrüchen innerhalb ihres Erbmaterials von großer Bedeutung sein kann, für die Befruchtungsfähigkeit einerseits, als auch z. B. für das Risiko von Fehlgeburten. Dieser sogenannte Fragmentationsindex (FI) kann jedoch nicht durch ein normales Spermiogramm (mikroskopische Untersuchung der Spermienqualität) erkannt werden.

Der HALO- oder der SCSA-Test (Spermien-Chromatin-Struktur-Assay) bietet die Möglichkeit, den Fragmentationsindex zu erfassen. Die zusätzliche Kenntnis des Spermienfragmentationsindex kann hilfreich sein, von vorneherein eine geeignete Kinderwunschbehandlung durchzuführen. Damit lässt sich eine (evtl. retrospektiv als wenig erfolgversprechende) monatelange Therapie vermeiden. Ein Grund dafür ist das Auftreten von Brüchen des Erbmaterials in den Spermien, sogenannten Fragmentationen.
Bei einem zunehmenden Anteil von Frauen sinkt die Chance, auf natürlichem Weg eine Schwangerschaft zu erreichen.

Bis zu 25 % der Männer mit normalen Spermiogrammbefunden weisen einen hohen Anteil von Samenzellen mit Fragmentationen auf. In diesen Fällen können Behandlungen wie die Übertragung der Spermien in die Gebärmuttermutterhöhle (Insemination) oder die Reagenzglasbefruchtung (IVF/ICSI) ratsam sein. Da die Brüche im Erbmaterial nicht mit dem “normalen” Spermiogramm erfasst werden können, ist eine zusätzliche Untersuchung erforderlich, der sogenannte SCSA-Test oder der HALO Test. Wir führen den HALO Test durch, da dieser im Vergleich zum SCSA Test unkomplizierter und kostengünstiger ist.

Der HALO-Test bietet die Möglichkeit, rechtzeitig eine individualisierte Therapie empfehlen zu können. Dadurch werden unter Umständen Zeit und Kosten gespart.

Die Kosten für den HALO-Test betragen 180,00 Euro. Die Untersuchung wird bisher weder von den gesetzlichen noch von den privaten Krankenkassen erstattet.

Der DNA-Fragmentationsindex (DFI) gibt Auskunft über die Erfolgsaussicht der verschiedenen Behandlungsmethoden, wobei bei der Bewertung allein die Spermien bewertet werden:

DFI 0-15 %:
Eine Schwangerschaft scheint auf normalem Wege  möglich.

DFI 15-25 %:
Eine Schwangerschaft auf normalem Wege ist möglich, aber die Dauer bis zum Eintritt kann verlängert sein. Bei schon länger bestehendem Kinderwunsch sollte zumindest eine Inseminationstherapie (Samenübertragung) erwägt werden. Beim Vorliegen zusätzlicher Störungen bei der Frau und bei höherem Lebensalter ist eine IVF (In-vitro-Fertilisation) ratsam.

DFI > 30 %:
Eine Schwangerschaft auf normalem Wege oder durch eine Insemination scheint unwahrscheinlich. Die Erfolgsrate läßt sich durch die IVF( In-Vitro-Fertilisation, Reagenzglasbefruchtung) verbessern.

DFI > 50 %:
Eine Schwangerschaft mit IVF ist unwahrscheinlich, bessere Chancen bietet die Intra-Cytoplasmatische Spermien-Injektion (ICSI)

DFI > 60 %:
Sehr geringe Erfolgsraten; einzige Chance mit ICSI oder aber Spendersamen.

Die hier aufgeführten Empfehlungen stammen aus den Untersuchungen verschiedener Arbeitsgruppen der letzten Jahre und tragen lediglich Empfehlungscharakter.